"The luxurious way of life"
Liebe, Kunst & Politik
Louise Lawler

Sie ist eines der führenden und bedeutendsten Mitglieder der «Pictures Generation», die Erste, die den Zweck und die Natur von Kunst hinterfragt, und präsentiert oft «behind-the-scenes»-Aufnahmen aus der Kunstwelt. Wie zum Beispiel die Fotografie von Maurizio Cattelans gigantischem, in Plastik verhülltem Picasso-Kopf. Louise Lawler. New Yorker Künstlerin und Fotografin.

Nicht nur das Kunstwerk allein ist das Kunstwerk. Ausgestellt, aufgestellt oder an einer Wand aufgehängt, erhält es im Zentrum oder in der Gemeinschaft weiterer Dekorationen, dem Licht und Ambiente eine neue und andere Präsenz. Was geschieht mit Kunst, nachdem sie verkauft wurde, und wie «besonders» ist sie noch, je nachdem, wo sie sich befindet? Louise Lawler fotografiert die neuen oder vorübergehenden «Zuhause» der Kunstobjekte in Galerien, Museen und in deren Lagerräumen, Auktionen und in den Wohnzimmern von Sammlern.

Die neue Generation
1947 wird Louise Lawler in Bronxville, New York, geboren. Mit 22 Jahren beendet sie ihr Studium mit einem «Bachelor of Fine Arts» an der Cornell-Universität und zieht 1969 nach Manhattan, wo sie innerhalb kurzer Zeit bei der Castelli-Galerie angestellt wird. Bei Castelli lernt sie Janelle Reiring kennen, die 1980 mit Helen Winer die Metro-Galerie in New York gründet und ein Podium sowie Fundament für die «Pictures Generation» bieten wird. Es ist eine Generation, die im Kalten-Krieg-Amerika geboren ist, während der kulturellen Verzahnung von unvergleichlichem nationalen Wohlstand mit der täglichen Bedrohung der drohenden nuklearen Vernichtung, Hollywood-Filmen, klobiger Fernsehkisten mit schlechter Bildqualität und Magazinen wie «Look» und «Life» sowie Landschaftstapeten mit Birkenwäldern.

Die Querdenker der Kunstszene, die ihre Power und Identität in diesen politisch wackeligen Zeiten zeigen, stehen im krassen Gegensatz zur bunt-schrillen Medienwelt der 80er mit den heterosexuellen Familien und ihren Zahnpasta-Lächeln im schneeweissen Amerika und den Stereotypen. Die Pictures-Generation mit ihrer zukunftsorientierten, modernen Kunst entspricht nicht den Vorstellungen der Handvoll namhafter New Yorker Galerien, und so experimentieren sie und stellen ihre Arbeiten in alternativen, jedoch weniger lukrativen Orten aus, bis Galerien wie Metro Pictures ihrem Ausdruck den Weg ebnen.

Karriereschub
Als das Ehepaar Burton und Emily Tremaine, bedeutende Kunstsammler von Werken des 20sten Jahrhunderts, ihr vollen Zugang zu ihrem Haus in Connecticut gewähren, ist es gleichzeitig ein «Sesam öffne dich» zu Kunstschätzen, wohin das Auge reicht, und zum Erfolg. Ein später Jason Pollock und eine filigrane Limoges-Suppenschüssel, in der Wohnzimmerecke hängt ein Robert Delauny über dem Fernseher, und eine Lichtenstein-Büste, die in eine Lampe verwandelt wurde, scheint zu starren und aus dem Fenster zu blicken. Sie fotografiert Kunstgegenstände in den Apartments von Kunstsammlern und versteht es wie keine andere, den Fokus und den Blickwinkel der Kamera so zu manipulieren und damit zu zeigen, wie ein Kunstwerk von den Paradigmen der Kunstwelt bestimmt wird. Das Etikett an der Wand eines Auktionshauses würde mit nur einer winzigen Verschiebung des Blickwinkels in den Fokus der Fotografie geraten und somit zwar die Arbeit selbst, das Kunstwerk, zeigen, jedoch auch dessen kommerzielle Wirtschaftlichkeit versinnbildlichen.

Botschaften
In ihren Werken weist Louise Lawler gerne mit analytischem Blick auf Ungereimtheiten. Wie zum Beispiel mit ihrer Bilderserie «adjusted to fit», wo sie die Aufnahmen von Kunstwerken digital in andere Formen verzieht und ihnen so ein anderes Format aufzwingt. Es ist ihre Retourkutsche auf Fake-News, die so lange verdreht werden, bis sie ins Weltbild passen. Oder die Installation «Helms Amendment» von 1989, die 94 identische Schwarzweiss-Fotos eines Plastikbechers zeigen und darunter in blauer oder roter Schrift die Namen der Senatoren der USA stehen, die bei den Senatswahlen die Helms-Gesetzesänderungen befürworteten und damit eine krasse Benachteiligung für HIV-infizierte Menschen und deren Lebensumstände schufen.

Why Pictures now
In New Yorks wichtigstem Museum MoMA führte in diesem Jahr eine Ausstellung durch die 40-jährige kreative Schöpferkraft von Louise Lawler, die zahlreiche Künstler und Kulturdenker der letzten vier Dekaden inspiriert hat. Benannt nach einem Bild, das sie 1981 fotografiert hat. Das schwarzweisse Stillleben zeigt einen Aschenbecher mit einer Zündholzschachtel, und es könnte sich durchaus um eine Werbung handeln, wäre da nicht die Aufschrift «Why Pictures now». «Das Bild hier», erklärt die Museumskuratorin Roxana Marcoci, «ist ein Kultstück, das sie 1988 im Auktionshaus Christieʼs fotografiert hat, als eine sehr berühmte Kollektion, die Tremaine-Kollektion, versteigert wurde. Das Portrait von Marilyn Monroe, gemalt von Andy Warhol. Das Interessanteste daran ist der Titel: Bringt Marilyn Monroe dich zum Weinen? Das genau gleiche Bild, das genau gegenüberliegt, hat den Titel: Bringt Andy Warhol dich zum Weinen? Zwei gleiche Bilder mit zwei verschiedenen Titeln erzeugen einmal den Fokus auf einen berühmten Künstler und einmal auf eine Ikone und einen verstorbenen Filmstar. Sie erzeugen ein anderes Verständnis beim Betrachter. Und das ist der Kern von Louise Lawlers Arbeiten und eben dem Umstand, wie und wo Kunst präsentiert wird.»

«Arranged by Donald Marron, Susan Brundage, Cheryl Bishop at Paine Webber Inc.» I 1982 / 2016  «Big» I 2002 / 2003  «Pollyanna» I 2007 / 2008 / 2012  «Triangle» I 2008 / 2009 / 2011  Louise Lawler am "The Museum of Modern Art"  «Life After 1945 (Faces)» I 2006 / 2007  «Why Pictures Now» I 1981 
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