Instant cool!
Der Durchbruch der Sonnenbrille

Filmstars trugen sie einst als Schutz vor gleissendem Scheinwerferlicht, US-Kampfpiloten brachten später den Cool-Faktor ein. Es tragen sie die Guten wie die Bösen, Berühmtheiten, Exzentriker – und selbst die alten Römer, Chinesen und Eskimos kannten die Sonnenbrille. Ihren Durchbruch als Accessoire mit Fashion-Statement liegt jedoch erst 75 Jahre zurück.

Sonnenbrillen zieren die Gesichter von Diktatoren, Diven und Popstars. Karl Lagerfeld, Anna Wintour, Heino und Madonna zeigen sich selten ohne. Sie halten Paparazzi auf Distanz, sorgen für das Rote-Teppich-Gefühl, demonstrieren Stil und sind als Accessoire herrlich klassenlos. Viele Prominente sind ohne Sonnenbrille gar nicht vorstellbar, etwa Jackie Onassis oder Audrey Hepburn in «Frühstück bei Tiffany». Elton John dürfte die schrillsten Exemplare besitzen, die meisten wohl U2-Sänger Bono, der einst sagte, dass Sonnenbrillen für ihn das sind, was Schuhe für Imelda Marcos sind. So hat die Modeindustrie das Potenzial von Sonnenbrillen längst erkannt. Keine namhafte Marke, die nicht Sonnenbrillen mit ihrem verkaufsfördernden Logo im Sortiment führte und dabei enorme Material- und Formenvielfalt beweisen würde.

Von Smaragden und Seehundknochen
Der Blick in die Geschichte zeigt: Der Hype um ein Stück Plastik auf der Nase war abzusehen. Kaiser Nero soll Gladiatorenkämpfe standesgemäss durch einen Smaragd verfolgt haben, um sich vor der Sonne zu schützen. Im China des 12. Jahrhunderts schaffte man es, Quarzkristalle zu verdunkeln, später wurden Gläser mit Russ verdunkelt, und auch die Inuit wussten sich zu helfen. Sie ritzten Schlitze in Seehundknochen, um in Eis, Schnee und Sonne nicht «blind» zu werden. Sonnenbrillen mit richtiger Fassung dagegen gibt es erst ab dem 19. Jahrhundert, dank Optikern wie Carl Zeiss und Josef Rodenstock; sie waren mehr medizinisches Hilfsmittel für Menschen mit Augenleiden denn Accessoire.

Der Schritt ins Scheinwerferlicht
Erst als Filmstars die Vorzüge von Sonnenbrillen entdeckten und sich damit vor den gleissenden Scheinwerfern bei Dreharbeiten schützten, bekamen die Augengläser mehr Aufmerksamkeit. Da sie für Normalsterbliche unerschwinglich waren, stieg 1929 der Unternehmer Sam Foster in die Massenproduktion ein und verhökerte seine ersten «Sonnenbrillen zu attraktiven Preisen» an den Stränden von Atlantic City.

Coolness über den Wolken
Die Moderne der Sonnenbrillen-Zeit ist eng mit der Traditionsmarke Ray-Ban verknüpft. Als das US-Militär 1937 seine Fliegerstaffeln mit dem eigens entwickelten Modell «Aviator» von Ray-Ban ausrüstete. Auf den Nasen der coolen US-Piloten brachte die leichte Metallbrille mit den tropfenförmigen, meist grünen Gläsern einen ersten Hauch von grosser Welt ins Nachkriegsdeutschland. Sie wurde zum Kultobjekt. Ein weiterer, damals noch nicht absehbarer Klassiker kam mit der Ray-Ban «Wayfarer» in den 1950er Jahren auf den Markt. Die erste Sonnenbrille aus Kunststoff, mit ihrer von Mid-Century-Klassikern wie dem Design-Chair von Charles Eames inspirierten Form, hatte einen maskulinen Look, der auch der Damenwelt gut zu Gesicht stand. Doch erst die «Blues Brothers»-Darsteller Dan Aykroyd und John Belushi machten sie weltberühmt – und zum coolsten Accessoire. Sagenhafte 1,5 Millionen Wayfarer sollen in guten Jahren über die Ladentische gegangen sein. Michael Jackson, Madonna, Debbie Harry von Blondie, Bob Dylan – alle waren mit der schwarzen Kultbrille unterwegs. Als die Wayfarer 2001 dank neuem Material deutlich erleichtert redesignt war, konnten Damen die Brille endlich auch lässig in die Haare stecken, ohne dass sie kippte; vorher war sie schlichtweg zu schwer.

Heute sind Sonnenbrillen modisches Statement für jedermann und neben Uhr und Schuhen eines der wenigen Accessoires, das an Männern männlich statt peinlich wirkt. Sie sind zu Lifestyle-Produkten avanciert, die den persönlichen Stil unterstreichen und zugleich Ausdruck eines individuellen Lebensgefühls sind. Ob Massenartikel oder Manufakturexemplar: Sonnenbrillen sind ein Accessoire, mit dem sich auch bei schmalerem Budget Designbewusstsein beweisen lässt.

Die Moderne der Sonnenbrillen-Zeit ist eng mit der Traditionsmarke Ray-Ban verknüpft.
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